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Die Adventszeit (Tempus Adventus)

Advent

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist der Advent?
  • Wechselgesang: Rorate cæli desuper
  • Hymnus: Conditor alme siderum
  • Hymnus: Komm, Erlöser der Völker
  • Adventsgesang: O komm, o komm, Immanuel! (Veni, veni, Emmanuel)
Mit dem Advent beginnt im Christentum traditionell das neue Kirchenjahr. Zugleich ist die Adventszeit eine Zeit der Umkehr und der Vorbereitung auf Weihnachten, dem Hochfest der Geburt des Erlösers Jesus Christus.

„Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ (Lk 3, 1-6)


Was ist der Advent?

Der Advent (von lat. „adventus“ → „Ankunft“) ist die vierwöchige Zeit des Warten auf die Ankunft des Gottessohnes Jesus Christus. Sie ist traditionell eine Zeit der Buße und Umkehr (ähnlich zur 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern), die der Vorbereitung auf Weihnachten, dem Hochfest der Geburt des Herrn. Die Adventszeit ist einerseits Rückblick in die Vergangenheit des Volkes Israel und dessen Warten auf den geweissagten Messias und Erlöser. Andererseits ist sie gegenwärtige Begegnung mit dem bereits in die Welt gekommenen Jesus Christus (in Wort, Sakrament sowie im Nächsten). Schließlich ist der Advent auch Vorbereitung auf die zukünftige Ankunft Jesu als Weltenrichter am Ende der Zeiten.

▶ Die Messgesänge für die Adventszeit mit Noten und Hörbeispielen: Die Adventszeit (Tempus Adventus).

Wechselgesang: Rorate cæli desuper

Der adventliche Wechselgesang mit dem „Rorate, cæli desuper“ geht vermutlich auf Aurelius Prudentius Clemens (348-405) zurück. Der Vers „Rorate cæli desuper, et nubes pluant iustum“ stammt aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja (Jes 45,8). Er bildet im Proprium des vierten Adventssonntags zusammen mit dem Psalm 19 (Ps 19,2) den Introitus.

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„Rorate cæli desuper“ als Gregorianischer Choral zum Anhören

Der Text auf Latein und Deutsch:

Latein:

Rorate cæli desuper,
et nubes pluant justum.

Ne irascaris Domine,
ne ultra memineris iniquitatis:
ecce civitas Sancti facta est deserta:
Sion deserta facta est:
Ierusalem desolata est:
domus sanctificationis tuæ et gloriæ tuæ,
ubi laudaverunt te patres nostri.

Rorate cæli desuper,
et nubes pluant justum.

Peccavimus, et facti sumus tamquam immundi nos,
et cecidimus quasi folium universi:
et iniquitates nostrae
quasi ventus abstulerunt nos:
abscondisti faciem tuam a nobis,
et allisisti nos in manu iniquitatis nostrae.

Rorate cæli desuper,
et nubes pluant justum.

Vide Domine afflictionem populi tui,
et mitte quem missurus es:
emitte Agnum dominatorem terrae,
de Petra deserti ad montem filiæ Sion:
ut auferat ipse jugum captivitatis nostrae.

Rorate cæli desuper,
et nubes pluant justum.

Consolamini, consolamini, popule meus:
cito veniet salus tua:
quare maerore consumeris,
quia innovavit te dolor?
Salvabo te, noli timere,
ego enim sum Dominus Deus tuus,
Sanctus Israël, Redemptor tuus.

Rorate cæli desuper,
et nubes pluant justum.

Deutsch:

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Zürne nicht länger, Herr,
nicht länger gedenke unserer Missetaten.
Siehe, die Heilige Stadt ist zur Wüste geworden,
Zion ist zur Wüste geworden.
Ierusalem ist verödet,
das Haus deiner Heiligung und deiner Herrlichkeit,
wo dich gepriesen haben unsere Väter.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Wir haben gesündigt und sind unrein geworden
und sind gefallen wie ein Blatt,
und unsere Missetaten haben
uns wie der Wind fortgetragen.
du hast dein Antlitz verborgen vor uns
und uns zerschmettert durch die Wucht unserer Schuld.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Sieh an, Herr, die Betrübnis deines Volkes,
und sende, den du senden willst.
Sende aus das Lamm, den Beherrscher der Erde,
vom Felsen der Wüste zum Berg der Tochter Zion,
dass es hinwegnehme das Joch unserer Knechtschaft.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Tröstet, tröstet, mein Volk!
Bald wird kommen dein Heil.
Warum verzehrst du dich in Trauer,
weil sich erneuert hat dein Schmerz?
Ich werde dich retten, fürchte dich nicht.
Denn ich bin der Herr, dein Gott,
der Heilige Israels, dein Erlöser.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.


Hymnus: Conditor alme siderum

Bei „Conditor Alme Siderum“ (zu deutsch: „Gott, heilger Schöpfer aller Stern“) handelt es sich um einen sehr alten Hymnus, dessen Ursprung bereits in der Spätantike (7. Jhrdt.) liegt. Der Autor des Textes ist nicht bekannt. Er zählt sicherlich zu den bekanntesten und schönsten Hymnen im Advent.

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Der Hymnus „Conditor alme siderum“ als Gregorianischer Gesang zum Anhören.

Der Text auf Deutsch und Latein:

Deutsch:

Gott, heilger Schöpfer aller Stern,
erleucht uns, die wir sind so fern,
dass wir erkennen Jesus Christ,
der für uns Mensch geworden ist.

Denn es ging dir zu Herzen sehr,
da wir gefangen waren schwer
und sollten gar des Todes sein;
drum nahm er auf sich Schuld und Pein.

Da sich die Welt zum Abend wandt’,
der Bräut’gam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.

Gezeigt hat er sein’ gross’ Gewalt,
dass es in aller Welt erschallt,
sich beugen müssen alle Knie
im Himmel und auf Erden hie.

Wir bitten dich, o heil’ger Christ,
der du zukünftig Richter bist,
lehr uns zuvor dein’ Willen tun
und an dem Glauben nehmen zu.

Lob, Preis sei, Vater, deiner Kraft
und deinem Sohn, der all Ding schafft,
dem heilgen Tröster auch zugleich
so hier wie dort im Himmelreich.

Amen.

Latein:

Conditor alme siderum,
æterna lux credentium,
Christe, redemptor omnium,
exaudi preces supplicum.

Qui condolens interitu
mortis perire sæculum,
salvasti mundum languidum,
donans reis remedium.

Vergente mundi vespere,
uti sponsus de thalamo,
egressus honestissima
virginis matris clausula.

Cuius forti potentiae
genu curvantur omnia;
caelestia, terrestria
nutu fatentur subdita.

Te Sancte, fide quaesumus,
venture iudex sæculi,
conserva nos in tempore
hostis a telo perfidi.

Laus, honor, virtus, gloria
Deo Patri cum Filio
Sancto simul Paraclito,
in sempiterna saecula.

Amen.


Hymnus: Komm, Erlöser der Völker

Der Hymnus „Veni redemptor gentium“ (zu deutsch: „Komm, Erlöser der Völker“), der nach seinen lateinischen Anfangsworten benannt wurde, gehört zu den ältesten Gesängen der Adventszeit. Sein Verfasser ist der hl. Ambrosius von Mailand (339-397). Der Adventhymnus verfügt über acht Strophen, wobei die trinitarische Doxologie erst im Mittelalter hinzugefügt wurde, während die eigentliche Anfangsstrophe „Intende qui regis Israel“ (Psalm 80) wegfiel. Das beliebte deutsche Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“, welches Martin Luther (1483–1546) verfasst hat und von Johann Sebastian Bach (1685-1750) vertont wurde, ist eine Übertragung dieses altkirchlichen Hymnus.

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Der Adventshymnus „Veni redemptor gentium“ als Gregorianischer Choral zum Anhören

Der Text auf Deutsch und Latein:

Deutsch:

Merke auf, der du Israel regierst,
der du auf Kerubim thronst,
erscheine vor Ephraim,
erwecke deine Macht und komm!

Komm, Erlöser der Völker,
offenbare die Geburt der Jungfrau.
Es staune alle Welt:
Eine solche Geburt ist Gottes würdig.

Nicht aus dem Samen eines Mannes,
sondern durch geheimnisvollen Hauch
ist das Wort Gottes Fleisch geworden,
und die Frucht des Leibes ist erblüht.

Der Leib der Jungfrau schwillt an,
der Riegel der Scham verbleibt,
die Tugendstandarten blitzen auf,
Gott weilt im Tempel.

Es geht hervor aus seinem Brautgemach,
dem königlichen Thronsaal der Keuschheit,
der Gigant von zweifacher Natur,
um voll Eifer seinen Weg zu laufen.

Sein Ausgang führt vom Vater,
sein Heimgang führt zum Vater,
sein Hinweg bis zur Unterwelt,
sein Rückweg zum Thron Gottes.

Wesensgleich dem ewigen Vater,
rüste dich mit dem Siegeszeichen über das Fleisch,
indem du das Schwache unseres Leibes
mit unvergänglicher Kraft stärkst.

Nun erstrahlt deine Krippe,
und die Nacht atmet das neue Licht,
das keine Nacht trüben möge
und durch steten Glauben leuchte.

Latein:

Intende, qui regis Israel,
super Cherubim qui sedes,
appare Ephraem coram,
excita potentiam tuam et veni.

Veni, redemptor gentium,
ostende partum virginis.
Miretur omne sæculum:
talis decet partus Deum.

Non ex virili semine,
sed mystico spiramine
verbum Dei factum est caro
fructusque ventris floruit.

Alvus tumescit virginis,
claustrum pudoris permanet,
vexilla virtutum micant,
versatur in templo Deus.

Procedit e thalamo suo,
pudoris aula regia,
geminae gigans substantiae,
alacris ut currat viam.

Egressus eius a Patre,
regressus eius ad Patrem;
excursus usque ad inferos,
recursus ad sedem Dei.

Aequalis aeterno Patri,
carnis tropaeo cingere
infirma nostri corporis
virtute firmans perpeti.

Praesepe iam fulget tuum
lumenque nox spirat novum,
quod nulla nox interpolet
fideque iugi luceat.


Adventsgesang: O komm, o komm, Immanuel! (Veni, veni, Emmanuel)

Eines der bekanntesten und ältesten Adventslieder ist „Veni, veni, Emmanuel“ (zu deutsch: „O komm, o komm, Immanuel!“), für das es den ersten schriftlichen Beleg in einem Kölner Gesangbuch aus dem Jahr 1710 gibt, aber seinen Ursprung vermutlich schon im 12. Jahrhundert hat. Es ist eine Paraphrase von fünf der sieben adventlichen O-Antiphonen.

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„Veni, veni, Emmanuel“ als Gesang zum Anhören

Der Text auf Deutsch und Latein:

Deutsch:

Komm, komm, Immanuel!
Befreie das gefangene Israel,
das in der Verbannung wehklagt,
beraubt um Gottes Sohn.
Freue dich, freue dich,
Immanuel wird für dich, Israel, geboren.

Komm, o Spross des Jesse!
Aus des Feindes Klauen führe die Deinen heraus,
aus der Tiefe der Unterwelt,
aus dem Abgrund der Hölle.
Freue dich, freue dich,
Immanuel wird für dich, Israel, geboren.

Komm, komm, o Morgenstern!
Sonne uns bringend, wenn du nahst.
Vertreibe die Nebel der Nacht
und die schrecklichen Finsternisse des Todes!
Freue dich, freue dich,
Immanuel wird für dich, Israel, geboren.

Komm, Schlüssel Davids!
Schließe auf die himmlischen Reiche.
Mach sicher den Weg nach oben
und verschließe die Wege nach unten!
Freue dich, freue dich,
Immanuel wird für dich, Israel, geboren.

Komm, komm, Herr!
Deinem Volk gabst du das Gesetz
auf Sinais Gipfel
in erhabener Herrlichkeit.
Freue dich, freue dich,
Immanuel wird für dich, Israel, geboren.

Latein:

Veni, veni Emmanuel!
Captivum solve Israel!
Qui gemit in exilio,
Privatus Dei Filio,
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.

Veni o Iesse virgula!
Ex hostis tuos ungula,
De specu tuos tartari
Educ, et antro barathri.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.

Veni, veni o oriens!
Solare nos adveniens,
Noctis depelle nebulas,
Dirasque mortis tenebras.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.

Veni clavis Davidica!
Regna reclude coelica,
Fac iter tutum superum,
Et claude vias inferum.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.

Veni, veni Adonai!
Qui populo in Sinai
Legem dedisti vertice,
In maiestate gloriæ.
Gaude, gaude, Emmanuel
Nascetur pro te, Israel.


Überblick zum Kirchenjahr

Quellen:

  • Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Die Bibel. Studienausgabe. Psalmen und Neues Testament. Ökumenischer Text, Stuttgart 2016.
  • Hymnus – Conditor alme siderum; In: gregorien.info. Gregorianisches Repertoire, URL: https://gregorien.info/chant/id/1422/13/de (abgerufen am 05.04.2019)
  • Hymnus – Veni Redemptor gentium; In: gregorien.info. Gregorianisches Repertoire, URL: https://gregorien.info/chant/id/8432/13/de (abgerufen am 18.05.2019)
  • Intende qui regis Israel / Veni redemptor gentium; In: www.grabinski-online.de, URL: http://www.grabinski-online.de/div/veni.html (abgerufen am 18.05.2019)
  • Kleines Stundenbuch. Advent und Weihnachtszeit. Morgen- und Abendgebet der Kirche aus der Feier des Stundengebets für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes; Freiburg im Breisgau 1982.
  • Läpple, Alfred: Kleines Lexikon des christlichen Brauchtums; Augsburg 1996, S. 25ff.
  • Zerfass, Alexander: Mysterium mirabile. Poesie, Theologie und Liturgie in den Hymnen des Ambrosius von Mailand zu den Christusfesten des Kirchenjahres; Tübingen 2008, S. 69ff.

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