Mariä Himmelfahrt
Inhaltsverzeichnis
Was feiert die Kirche an Mariä Himmelfahrt?
Die Kirche begeht alljährlich am 15. August das Hochfest Mariä Himmelfahrt, an dem der Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel gedacht wird. Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel lässt sich seit dem 6. Jahrhundert nachweise und wurde durch Papst Pius XII. im Jahr 1950 dogmatisch bestätigt. Das Fest wird zu den ältesten und zugleich höchsten Marienfesten der Christenheit gezählt.
Der Introitus „Signum magnum“ als Gregorianischer Choral zum Anhören.
Wie entstand das Fest Mariä Himmelfahrt?
Das Fest wurde durch Bischof Kyrill von Alexandrien (375/80-444) eingeführt und wurde anfangs als Hochfest der Mariengrabkirche in Ierusalem gefeiert. Es steht vermutlich mit einem alten syrischen Erntedankfest in Verbindung. Die Westkirche übernahm das Fest um etwa das Jahr 700. Während das Hochfest in der Westkirche „Aufnahme der seligen Jungfrau Maria“ (lat. „Assumptio Beatæ Mariæ Virginis“) heißt, so trägt es in der Ostkirche den Namen „Hochfest des Entschlafens der allheiligen Gottesgebärerin“. Weitere Namen sind zudem „Heimgang Mariens“, „“ oder „Vollendung Mariens“.
Proprium (Wechselnde Messgesänge) für Mariä Himmelfahrt
Die folgenden Propriumsgesänge werden zur Vigil von Mariä Himmelfahrt (2. Klasse) bzw. zum Hochfest Mariä Himmelfahrt (1. Klasse) von der Schola gesungen:
– 14. August: Vigil von Maria Himmelfahrt (Missa ‚Vultum tuum‘) –
– 15. August: Fest Mariä Himmelfahrt (In Assumptione Beatæ Mariæ Virginis (Missa ‚Signum magnum‘)) –
Brauchtum an Mariä Himmelfahrt
Zum festen Brauchtum an Mariä Himmelfahrt gehört auch die Kräuterweihe, einem Ritual in der kirchlichen Liturgie, bei dem der Priester ein Segensgebet über die von den Gläubigen mitgebrachten Kräuterbüschel (bestehen meistens aus 7 bis 9 verschiedenen Heilkräutern) spricht und diese mit Weihwasser besprengt. Dieser Brauch der Kräutersegnung hat seinen Ursprung bereits in vorchristlichen Zeiten und diente bereits damals der Anrufung der Götter um ihren besonderen Beistand.
Was ist eine Kräuterweihe (Kräutersegnung)?
Alljährlich werden zum Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August in vielen Gegenden Westeuropas seit über tausend Jahren Heilkräuter in der Kirche gesegnet. Dazu spricht der Pfarrer nach der Predigt oder vor dem Schlusssegen im Gottesdienst ein spezielles Segensgebet über die gebundenen Kräuterbüschel (auch Krautwisch, Marienwisch, Neunerbuschen, Rauchkräuterbuschen, Sangen, Weihbüschel, Weihkräuterbuschen, Wisch, Würzbüschel oder Würzwisch genannt) und besprengt im Anschluss an das Gebet die Kräuter mit Weihwasser. Mancherorts werden zudem noch Kräuterprozessionen abgehalten. Dieser Brauch der Kräutersegnung hat seinen Ursprung vermutlich bei unseren germanischen Vorfahren, die schon in vorchristlichen Zeiten Heilkräuter sammelten und die Götter zu deren Verwendung um ihren Beistand anriefen. Ab etwa dem 9. Jahrhundert wurde die Kräuterweihe (auch als Wurzelweihe, Würzweihe, Würzkräuterweihe oder Wischweihe bezeichnet), bei der es sich um eine sogenannte Sakramentalie handelt, mit dem alten Marienfest „Mariä Himmelfahrt“ verbunden, denn Maria wird von den Menschen schon seit langer Zeit auch als „Königin der Blumen“, „Blume des Feldes“, „Lilie der Täler“ sowie als „Beschützerin der Feldfrüchte“ verehrt. Die Heilkraft der Kräuter soll durch die Fürbitte der Kirche dem ganzen Menschen zum Heil dienen. Die Kräuterweihe gilt zudem als Ausdruck für die Achtung des Menschen vor Gottes Schöpfung.
Weshalb ist die Kräuterweihe mit Mariä Himmelfahrt verbunden?
In der Wissenschaft werden unterschiedliche Gründe angeführt, warum die Kräuterweihe im Kontext zu Mariä Himmelfahrt steht:
- Das Datum für dieses frühchristliche Fest steht evtl. mit einem alten syrischen Erntedankfest in Verbindung.
- Nach einer Legende haben die Apostel das Grab der Jungfrau Maria noch einmal geöffnet. Darin fanden sie statt einem Leichnam duftende Blumen und Kräuter.
- In vorchristlicher Zeit gehörte das Sammeln von Heilkräutern und besonderer Weiherituale zum festen Brauchtum der Germanen. Solche heidnischen Kräuterweihen wurde wohl zuerst um das Jahr 745 n. Chr. verboten und dann etwas später als Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt in die kirchliche Liturgie integriert. Die Wirkung der Kräuter wurde auf Gott und die besondere Fürsprache Marias bezogen. Somit wurde dieser alte Brauch christianisiert.
Vermutlich haben alle drei genannten Gründe ihren Beitrag zur Einführung der Kräutersegnung in den gottesdienstlichen Ablauf an Mariä Himmelfahrt geleistet.
Was ist der Frauendreißiger?
Der Zeitraum zwischen Mariä Himmelfahrt (15. August) und dem Tag vor dem Fest Kreuzerhöhung (14. September) wird „Frauendreißiger“ genannt. Diese 30 Tage gelten als Zeit der Überleitung in den Herbst und wurden in früheren Tagen als besinnliche Zeit mit Mariengebeten und Marienwallfahrten begangen. Die Legende besagt, dass in diesem Zeitraum die Erde von der Gottesmutter besonders gesegnet wird. In diesen Tagen wird den Heilkräutern (außer dem Johanniskraut) ihre höchste Heilwirkung nachgesagt, weshalb sie nach alter Tradition gerade in dieser Zeitspanne bevorzugt gesammelt werden.
Quellen:
- Benediktionale; Freiburg im Breisgau 1978, S. 65.
- Braun, Joseph: Liturgisches Handlexikon; München ²1924, S. 181.
- Hellmann, Anton: Der Sakristan. Das Buch für die Praxis; Freiburg im Breisgau 1983, S. 137.
- Kleines Rituale nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus; Thalwil 2013, S. 196f.
- Läpple, Alfred: Kleines Lexikon des christlichen Brauchtums; Augsburg 1996, S. 132ff.
- SCHOTT, Das vollständige Römische Messbuch, lateinisch und deutsch, 1962, Nachdruck von 1995, S. 1008ff.
